Kontakt & Infos

Biodiversum Haff Remich
5, Breicherwee
L-5441 Remerschen
Luxemburg
Tel.: +352 24 75 65 31
Öffnungszeiten: Di.-So. 10.00-17.00 Uhr
Website, E-Mail


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Biodiversum Haff Remich

Biodiversum GebäudeWie ein kopfüber auf dem Strand gelagertes Boot fügt sich das Gebäude des Besucherzentrums störungsfrei in das Naturschutzgebiet Haff Remich ein.

Im Dreiländereck bei Schengen in Luxemburg hatte ein großes Sand- und Kies-Abbauprojekt eine tiefe Wunde in die ehemals fruchtbare Ebene geschlagen. Nach dem Ende der Kiesschürfung Mitte des letzten Jahrhunderts aber holte sich die Natur zurück, was die Kiesbagger ihr genommen hatten: nach und nach füllten sich die Gruben im Laufe der Zeit mit Grundwasser und es entstand eine wunderschöne Seenlandschaft.

Flora und Fauna nahmen wieder Besitz von den kahlen, ausgebeuteten Flächen, und allein durch die natürliche Aussaat heimischer Pflanzen durch den Wind entwickelte sich eine malerische Auenlandschaft, so bemerkenswert und schön, dass der ganze Bereich inzwischen als ein Naturpark gilt, der zum wichtigen Rastgebiet für Tausende von Zugvögeln wurde — sogar weltweit einem der wichtigsten.

Luftbild der Seenlandschaft

Doch nicht nur für Vögel wurde die zurückeroberte Landschaft zum Magneten, auch für viele Menschen wurde die attraktive Region bald zu einem beliebten Ausflugsziel. Das führte zu der Entscheidung, in Remerschen ein "Biodiversum" zu bauen — ein Informationszentrum, in dem die Besucher einerseits über die Geschichte dieses Naturparks informiert werden können, sie andererseits aber auch für Natur- und Umweltschutz sensibilisiert werden.

Doch mit der Entscheidung für den Bau eines solchen Ausstellungsgebäudes allein ist noch kein Gebäude erschaffen. Und tatsächlich sollte es vom Beschluss, ein solches Biodiversum zu bauen, bis zu seiner Realisierung ganze zwölf Jahre dauern. Diese vergleichsweise lange Wartezeit wurde aber mehr als belohnt, wie sich im Herbst 2014 bei der Eröffnung des "Centre d'accueil Haff Remich" zeigte.

Der eigenwillige Bau des Besucherzentrums liegt auf der kleinen, eigens für das Biodiversum aufgeschütteten Landzunge eines Weihers. Damit bietet es einen optimalen Standort, um den Blick in die Natur und auf deren Bewohner zu lenken.

Außenansicht von der Seeseiteseitliche Außenansicht

Dieser Gedanke bestimmte die Ausrichtung des Biodiversums, das an sich bereits eine Manifestation der Schönheit ist, die die Natur hervorbringt. Denn es ist den Architekten von Hermann & Valentiny aus Remerschen gelungen, ein Gebäude zu errichten, dessen Stil, Baumaterialien und Funktionalität gleichermaßen faszinieren und das sich durch seine Orientierung an natürlichen Formen hervorragend in die Landschaft einpasst.

Als Grundidee orientiert sich der Bau an den Langhäusern der Kelten, die als Ureinwohner der Region gelten. Die Architekten konzipierten allerdings dieses "Langhaus" in Form eines umgestülpten Bootsrumpfes, dessen Grundriss sich über etwa 60 m Länge erstreckt und konisch zuläuft. Die schmale, dem See abgewandte Stirnseite misst rund 13,50 m und bildet den Eingang zum Informationszentrum, die sich zum See öffnende Seite hat eine Breite von 17 m.

Da die abgeschrägten Giebel des Baukörpers komplett verglast sind, gibt vor allem die Seeseite einen weiten Blick in die Natur frei. Hierdurch sowie durch seine Lage fungiert das Biodiversum gleichsam als eine Eintrittspforte in diese für Naturfreunde so reizvolle Region. Denn ein Teil des Konzeptes ist, dass sich die Besucher — vor oder nach dem Besuch der Ausstellung — auch selbstständig auf Entdeckungsreise in diese eindrucksvolle Landschaft begeben und ihre eigenen Beobachtungen machen.

Innenansicht der Seeseite mit AusblickWanddetail von innen

Bei den Baumaterialien spielt in einem Bauwerk, in dem es vor allem um Natur- und Umweltschutz geht, natürlich Holz die Hauptrolle. Nur das Fundament, der Aufzugsschacht sowie das Untergeschoss bestehen aus Stahlbeton. Auf den Decken des Untergeschosses ist das Haupttragwerk aus BS-Holz-Rahmen (Douglasie) verankert, die im Abstand von 7,20 m angeordnet sind.

In einer Hälfte des Gebäudes wurden zudem pro Geschoss je ein liegender BS-Holz-Bogenbinder eingesetzt. Diese horizontalen Bogenbinder schaffen hier Galerien mit großem Luftraum vom Boden bis zur Decke.

Insgesamt wirkt ein Rautentragwerk wie ein Gitternetz und dient so als Längsaussteifung, während die Queraussteifung einerseits über die Rahmenkonstruktion, andererseits über den Aufzugsschacht aus Stahlbeton gewährleistet wird. Die Grundkonstruktion der Gebäudehülle besteht somit aus zwei gegeneinandergelehnten, gekrümmten Holzschalen aus Gitternetz mit Beplankung, das ein Flächentragwerk darstellt.

Auch diese Konstruktion mag an ein Boot erinnern, allerdings wurde hier — anders als bei einem Boot, bei dem die Spanten senkrecht stehen und die Beplankung waagerecht liegt — das Gitter sozusagen "auf die Spitze gestellt" und die Planken verlaufen senkrecht. Zudem enthält die gebogene Gebäudehülle 15 ausgestülpte Dreiecksgauben, die die Räume zusätzlich zu den großen Glasflächen an der Seeseite mit Tageslicht versorgen.

Innenansicht der GalerienInnenansicht

Auf insgesamt drei Ebenen bietet das Gebäude Ausstellungsflächen für fünf große Themen: Íkologie, Frühgeschichte, Weinbau, den Naturschutzpark Dreiländereck und jeweilige Wanderausstellungen. Dabei steht im Mittelpunkt der Ausstellung natürlich die Welt der (Zug-)Vögel.

Da das Zentrum zusätzlich zum Museum und Besucherzentrum auch eine Bildungsstätte darstellt, wurden Räumlichkeiten für die Verwaltung benötigt. Hierfür wurde ein schlichter, scheunenartiger Anbau errichtet, dessen Fassadendeckung — genau wie beim Hauptgebäude — aus unbehandelten und sägerauen Zedernschindeln besteht. So wird auch optisch der Ensemble-Charakter hergestellt und in seiner Schlichtheit die Nähe zu Landschaft und Natur unterstrichen.

Luftbild-Ansicht beider GebäudeteileIn der Kombination aus der faszinierenden Architektur an herausragender Stelle in der bemerkenswerten Landschaft sowie den attraktiven Ausstellungen und Veranstaltungen hat das "Biodiversum Haff Remich" in kürzester Zeit eine hohe Anziehungskraft für Naturfreunde allgemein und für Vogelfreunde insbesondere entwickelt — aber zusätzlich auch für Besucher, die an originellen und faszinierenden Bauwerken aus Holz ihre Freude haben.

Entsprechend konnte das Bauwerk auch die Jury des Holzbaupreis Eifel 2016 überzeugen, die besonders das Harmonische Zusammenspiel zwischen Architektur und Landschaft überzeugte:

Das Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude befindet sich inmitten eines Vogelschutzgebiets einer inzwischen renaturierten Kiesgrubenanlage. Der einem umgedrehten Boot nachempfundene Hauptbaukörper greift die Thematik von Wasser, See- und Flussläufen auf. Unterstützt wird dieses Bild durch eine Außenhaut aus Zedernschindeln mit markanten, dreieckigen Belichtungsluken. So entsteht ein einprägsames Gebäude, das zur weithin sichtbaren Landmarke wird. Es assoziiert ebenso die Schlichtheit einer Scheune ebenso wie die der Landschaft und der Natur. Die Konstruktion des Gebäudes besteht aus einem Tragwerk in Anlehnung an die Zollinger-Lamellenbauweise. Die Form des "Langhauses" ergibt sich aus zwei gegeneinander gelehnten, gekrümmten Holzschalen, deren mit Brettstapel-Deckenelementen beplanktes Gitternetz als Flächentragwerk wirkt. Die Jury bewertet hier vor allem die schlüssigen konstruktiven Details sowie ihre hohe Materialeffizienz. Form und Konstruktion bilden eine sinnfällige technische Einheit.

Blick aus dem Nebengebäude

Blick über den See auf das Gebäude

Fotos: Brigida Gonzalez bzw. VALENTINY hvp architects